Wo sind die Frauen in der IT-Branche?

Wussten Sie, dass eine Frau das erste Computerprogramm der Welt schrieb? Die britische Adlige Ada Lovelace erkannte bereits 1848, welches Potenzial in der Rechenmaschine Analytical Engine ihres Bekannten Charles Babbage steckte. Babbage hatte die Maschine lediglich zur Lösung von mathematischen Funktionen konzipiert. 

Die Mathematikerin Lovelace hingegen begriff, dass sich mit der Maschine viel mehr verarbeiten ließe als nur Zahlen. Sie hatte damit den Unterschied zwischen einer reinen Rechenmaschine und einem programmierbaren Computer verstanden. In Notizen zur Analytical Engine lieferte sie eine Anleitung zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen – den ersten Algorithmus der Welt.

In einer Zeit, in der Frauen noch von Geburt an die Rolle der Mutter und Hausfrau zukam, legte Ada Lovelace den Grundstein für den ersten programmierbaren Computer, der erst knapp ein Jahrhundert später durch Konrad Zuse gebaut wurde. Neben Ihrer Forschung zog Lovelace noch drei Kinder groß.

Ohne Ada keine IT – Frauen haben im Tech-Bereich von Beginn an eine bedeutende Rolle gespielt. Bild: Wikipedia

Leider wird trotz Ada Lovelace und anderen erfolgreichen Frauen im Tech-Bereich oft die IT als reine Männerdomäne betrachtet. In Deutschland ist nur gut jede vierte IT-Stelle von einer Frau besetzt. Woran liegt das?

Weshalb gibt es so wenige Frauen in der IT-Branche?

Im Online-Magazin entwickler.de erklären Frauen aus der Tech-Branche, welche Gründe sie für den geringen Frauenanteil in der IT sehen und wie man diese in Zukunft hinter sich lassen könnte.

Kulturelle Konflikte erschweren die Geschlechter-Gerechtigkeit

Isabel Muñoz Vilacides, Director of Productivity und Quality Engineering bei CloudBees, beschreibt vor allem kulturelle Konflikte als ausschlaggebend für den geringen Anteil an Frauen in der IT. Sie sieht insbesondere zwei Konflikte: Erstens, Frauen in die Branche zu bekommen und zweitens, sie dort auch zu halten. Für das erste Problem liege die Ursache in Geschlechterrollen, die schon von klein auf als Werte vermittelt werden. Die Vorurteile, die sich daraus ergeben, verfestigen sich in der allgemeinen Wahrnehmung. Den zweiten Konflikt sieht Muñoz Vilacides darin, dass Frauen oft in stark Männerdominierten Teams arbeiten und das Zugehörigkeitsgefühl darunter potenziell leidet.

„In den zwölf Jahren, in denen ich in der Tech-Branche tätig bin, war ich fast immer die einzige Frau im Raum. Man ist anders, man fühlt sich anders und man fühlt sich nicht als Teil der Gruppe.“

Jedoch sei das laut Muñoz Vilacides nicht überall so:

„Zum Glück gibt es aber auch Unternehmen, die weibliche Talente proaktiv fördern.“

Eine solche Förderung ist tatsächlich nicht nur moralisch sinnvoll, sondern lohnt sich auch wirtschaftlich. Studien beweisen: Unternehmen mit höherer Geschlechter-Diversität sind innovativer!

Frauen sind in der IT-Ausbildung immer noch eine Minderheit

Frauenanteil Studierender im ersten Semester zwischen 1993 und 2016. In der Informatik beträgt er nur 25 Prozent. Quelle: Agentur für Arbeit

Für Aine Mulloy, Mitbegründerin von GirlCrew, sind es besonders die Bildungsfaktoren, die dazu beitragen, dass es nur so wenige Frauen in IT-Berufen gibt. Bereits die elterliche Erziehung solle Tech-Jobs als eine vernünftige Option vermitteln.

„Zweitens müssen Schulen verändert werden, um Mädchen dazu zu ermutigen Fächer zu belegen, die traditionell männlich dominiert waren. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass dieses Geschlechterungleichgewicht häufig das Resultat von unzureichender Ausbildung und Ressourcen über Generationen hinweg ist.“, so Mulloy.

Wie wichtig eine gezielte Unterstützung von weiblichen Nachwuchskräften im Technologie-Bereich ist, zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach gibt es zwar seit Anfang der 1990er Jahre eine steigende Tendenz, was ein akademisches Informatik-Studium von Frauen angeht (siehe Abbildung). Jedoch sind nach wie vor nur 25 Prozent der Studierenden in der Informatik weiblich. Bei beruflichen Ausbildungen im MINT-Bereich ist die Ungleichheit noch deutlicher: Frauen belegen hier nur jede zehnte Ausbildungsstelle. Mulloy fordert neben der schulischen Ausbildung ein System der Unterstützung von Mädchen und Frauen im MINT-Bereich, das bis in die Universitäten und darüber hinaus fortgeführt wird, beispielsweise durch Mentoring-Programme. Um Mädchen schon während der Schulzeit für technische Berufe zu begeistern, gibt es Angebote wie den Girls’ day, an dem blackbee jährlich teilnimmt. Auch in diesem Jahr sind wir wieder mit dabei! 

Mit gutem Beispiel vorangehen: Frauen in der IT haben eine Vorbildfunktion

Das blackbee-Gründerinnen-Team aus Dr. Hanna Köpcke, Sabine Maßmann und Carina Röllig wurde in keiner Phase des Unternehmensaufbaus anders behandelt, weil es ein reines Frauen-Team war. Deshalb ist es unseren Gründerinnen wichtig, anderen Frauen zu zeigen, dass ihnen der Karriereweg in der IT-Branche keineswegs versperrt ist. Denn klar ist: mehr Rollenvorbilder haben wichtige Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft. Das von Aine Mulloy geforderte Mentoring ist deshalb auch für unsere drei Gründerinnen eine Säule bei der Unterstützung von Frauen, die sich für die Tech-Branche interessieren. Seit Anfang 2019 engagiert sich unsere Gründerin und Geschäftsführerin Carina Röllig für die Initiative FRAUEN unternehmen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Dort trifft Carina auf Frauen aus unterschiedlichen Branchen und informiert Interessierte über ihre Erfahrungen bei der Unternehmensgründung. 

Carina: “Um erfolgreich zu gründen, solltet Ihr Selbstbewusstsein mitbringen, eine klare Vision haben und mutig in die Zukunft gehen.”

Unsere Gründerin und CIO Sabine Maßmann ist seit 2005 Mitglied des Alumni-Vereins der Stiftung der Deutschen Wirtschaft. Sabine unterstützte während eines Stiftungsprojekts ein junges Team unter der Leitung von zwei Frauen bei der Gründung eines IT-Unternehmens. Neben diesen Mentoring-Angeboten nehmen unsere Gründerinnen auch in anderen Bereichen ihre Vorbildfunktion wahr. Die dritte blackbee-Gründerin und CTO Dr. Hanna Köpcke wurde beispielsweise im Jahr 2017 mit dem Digital Female Leader Award ausgezeichnet, der prägende Frauen aus der Digitalwirtschaft sichtbar machen möchte.

Hanna: “Als Frau muss man sich oft rechtfertigen, warum man einen technischen Beruf ausübt und dann heißt es meistens doppelt so hart arbeiten, um von (männlichen) Kollegen respektiert zu werden. Mein Tipp für junge Frauen, die einen technischen Beruf anstreben: Lasst euch nicht einschüchtern! Seid mutig und bleibt neugierig!”

 Frauen und Technik? Das gehört nämlich zusammen.

 

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