Trendreport_Produkte mit Potential für den Online-Handel

Trendreport: Diese Produktsegmente haben Potential für den Online-Handel

Der E-Commerce boomt. 2017 wurde in Deutschland ein Umsatz von 48,9 Milliarden Euro online generiert – ein Plus von 10,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine Branche, in der der Online-Handel noch nicht angekommen ist, gibt es nicht mehr. Wie stark die einzelnen Produktsegmente vom E-Commerce durchdrungenen sind, variiert allerdings. Gerade die Bereiche Fashion und Accessoires, Consumer Electronics sowie Hobby und Freizeit sind online sehr präsent und fahren einen Großteil des gesamten Umsatzes ein.

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2017 wurden im deutschen E-Commerce 48,9 Milliarden Euro umgesetzt. Mittlerweile gibt es kein Produktsegment mehr, das nicht vom Online-Handel durchdrungen ist. Den Großteil des Umsatzes fahren allerdings die Branchen Fashion und Accessoires (25,1 Prozent), Consumer Electronics (24,9 Prozent) und Freizeit und Hobby (14,5 Prozent) ein. (Quelle: HDE)

Und auch mit Blick auf die Anbieter wird deutlich, dass sich ein Großteil des deutschen Online-Umsatzes auf wenige Shops verteilt. So erwirtschafteten die Top 3 Amazon, Zalando und Otto 2017 einen Umsatz von rund 12 Milliarden Euro. Das entspricht etwa 44 Prozent des Gesamtumsatzes der Top 100.

Die Konzentration innerhalb des Online-Marktes ist also auf hohem Niveau und nimmt voraussichtlich weiter zu. Und doch gibt es Artikel, die bisher meist offline gekauft wurden, mit denen Online-Anbieter dann aber den Sprung auf den Massenmarkt schaffen. Was diese Unternehmen erfolgreich macht? Sie glauben an den Online-Vertrieb, sind modern und setzen auf gezieltes Marketing für ihre Produkte. Zwei dieser Trendartikel, die den E-Commerce in den letzten Jahren erobert haben, stellen wir Ihnen heute vor.

„Wenn ich es schaffe, sehr einzigartige Produkte über meinen Online-Handel zu vertreiben, die es bestenfalls auf den großen Plattformen nicht gibt, dann habe ich deutlich bessere Chancen, noch ein Geschäft machen zu können“, sagt Gero Becker, Projektmanager am Institut für Handelsforschung (IFH) Köln der Deutschen Welle.

Digitalisierung auf dem Matratzenmarkt

Nach Schätzungen des Fachverbandes der Matratzen-Industrie und des Handelsverbandes Textil geben die Deutschen jährlich rund eine Milliarde Euro für Matratzen aus. Doch ein Shopping-Highlight ist das für die meisten Verbraucher wohl kaum. Denn bisher fand der Matratzen Kauf immer im verstaubten stationären Handel statt. Das wollen junge Unternehmen nun ändern.
Pionier im Online-Handel mit Matratzen ist Bett1.de. Mit einem neuen Geschäftsmodell und einer erfolgreichen Kartellklage brach das junge Unternehmen den Markt vor einigen Jahren auf. Die Bodyguard – so nennt sich die Matratze von Bett1.de – hat einen Einstiegspreis von 199 Euro. Seitdem folgten zahlreiche deutsche Newcomer wie Emma, Bruno oder Muun sowie die Startups Casper aus den USA und Eve aus Großbritannien.
Das Konzept der Anbieter: Ein einziges Matratzenmodell und meist nur ein Härtegrad, der für alle Schlaftypen passen soll. Kein lästiges Probeliegen, keine Riesenauswahl. Keine teuren und intransparenten Preise. Die Käufer bekommen ihre Matratzen außerdem frei Haus geliefert, können bis zu 100 Tage probeschlafen und gegebenenfalls kostenlos zurücksenden. Laut Startup Emma kommt es dazu allerdings nur in seltenen Fällen: Die Retourenquote liegt bei etwa zehn Prozent.

Start-ups wie Emma oder Casper, die ihre Ware vor allem online vertreiben, sei es gelungen, den Matratzenkauf „sexy“ zu machen, so Ulrich Leifeld vom Fachverband der Matratzen-Industrie.

Und das Geschäft mit den “digitalen Matratzen” scheint zu funktionieren. Bisher ist Pionier Bett1.de nach eigenen Angaben mit einem Umsatz von 120 Millionen Euro und rund 700.000 verkauften Matratzen im Jahr 2017 Marktführer im deutschen Online-Handel mit Matratzen. Emma-Eigentümer Bettzeit erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 33 Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren es erst 20 Millionen Euro.

Mit ihren Geschäftsmodellen greifen die jungen Unternehmen auch den Trend hin zur Eigenmarke auf. Bisher sind auf dem Matratzenmarkt die Händler wie zum Beispiel Matratzen Concord bekannter als die Marken, die sie verkaufen. Emma und Co. dagegen, sind auf diese Handelsmarken nicht angewiesen – sie setzen auf neue Vertriebs- und Marketingkanäle. Die Matratze wird zu einem coolen Produkt und der Kauf für den Kunden unkompliziert. Traditionelle Händler können von dieser Herangehensweise nur lernen.

Die neue Art Brillen zu kaufen

„Wer glaubt, dass die Onlinebrille keinen Erfolg haben wird, der glaubt auch, dass er das Internet wieder ausschalten kann.“ Dirk Graber, Gründer und Vorstandschef von Mister Spex, im WELT-Gespräch.

2008 – vor 10 Jahren – ging der Internet-Brillenhändler Mister Spex online. Inzwischen ist das Grownup, welches 450 Mitarbeiter beschäftigt, in zehn Ländern unterwegs. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen mehr als 100 Millionen Euro. Profitabel ist es allerdings bisher nur auf dem DACH-Markt. “Die anderen Geschäftsbereiche sollen in zwei bis drei Jahren folgen”, heißt es in einem Bericht von etailment. Um Sehtests und individuelle Brillenanpassungen anbieten zu können, ging Mister Spex früh Partnerschaften mit lokalen Optikern ein. Anfang 2016 eröffnete das Unternehmen dann einen ersten eigenen Offline-Store, gefolgt von bislang acht weiteren Läden. Online-Händler Brille24 setzt für den Verkauf seiner Brillen eher auf innovative Tools. Es gibt Online-Anproben und einen interaktiven Brillenberater, mit dem die Pupillendistanz gemessen werden kann. Zudem soll bald die Brille24 App auf den Markt kommen, die das interaktive Anprobieren von verschiedenen Brillen in 3D ermöglicht.

Neben Händlern wie Mister Spex oder Brille24, die auch Marken anbieten, werben neuere Brillen-Startups mit modischen Eigenproduktionen. So etwa die Schweizer Firma Viu oder der niederländische Anbieter Ace & Tate, die On- und Offline-Handel in ihrem Geschäftskonzept verknüpfen. Was diese Unternehmen verstanden haben: Brillen sind heute nicht mehr nur Sehhilfe, sondern modisches Accessoire. Sie denken eher wie Fashion Retailer, erneuern Kollektionen kontinuierlich und punkten mit unschlagbaren Preisen beim Verbraucher.

Etablierte Händler wie Fielmann halten sich aus dem Online-Handel dagegen bisher weitestgehend heraus. Die Brille aus dem Internet sei ein Zufallsprodukt, begründet Marc Fielmann, Vorstandsvorsitzender des Konzerns die Zurückhaltung. Schließlich wäre es noch nicht möglich, online eine Sehstärke zu bestimmen, eine Brillenanpassung vorzunehmen oder ein Brillenglas zu zentrieren. Doch den Trend komplett zu ignorieren dürfte für das Optikerhandwerk zumindest langfristig zum Risiko werden.

Mut zur Online-Nische zahlt sich aus

Grundsätzlich gilt für den Online-Handel, dass es beim Verkauf von “konkurrenzlosen” Produkten deutlich leichter ist, sich innerhalb von überschaubarer Zeit eine gute Marktposition zu sichern. Dennoch sollte bereits eine stabile Nachfrage im stationären Handel vorhanden sein. Doch Vorsicht: Trotz der verminderten Online-Konkurrenz bleiben erbitterte Preiskämpfe nicht aus. Im dynamischen E-Commerce schläft der Wettbewerb nie. Wie bereits auf dem Matratzenmarkt kann sich der Kampf schnell verschärfen.

Markt- und Wettbewerbsanalysen auf Basis hoch valider Online-Daten helfen Ihnen, Trends, Nischen und neue Konkurrenten schnell zu entdecken. So stärken Sie Ihre Marke sowie Ihre Position im E-Commerce.

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